20.Juli Nordkapp

…kurz nachdem ich mein wunderschönes Camp am Altafjord Samstagmorgens verlasse erblicke ich vor mir auf der Straße einen Kollegen. Also Reiseradler. Wir schnacken ne Weile. Pascal ist 18 und kommt aus Thüringen. Er ist die gesamte Strecke aus Deutschland hochgefahren und ist 8 Jahre jünger als ich… Hut ab!! Wir beschließen gemeinsam zu fahren und starten, nachdem wir im letzten Laden noch ein wenig Proviant besorgen, Richtung Sennalandet. Ich bin das Sennalandet 2009 bereits mit Ludger durchfahren. Es ist eine Hochebene auf der es auf 85 km kein Ort und kaum Bäume gibt. Folglich sind wir dem Wind stark ausgeliefert. Doch Pascal beschließt dass wir halt einfach nebeneinander fahren und so unterhalten wir uns so viel dass wir die 85km in 4 Stunden durchfahren haben. Wunderschöne Sequenzen…

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Wir kommen schließlich in Skaidí an (samisch: wo sich die Flüsse und Wege treffen) , doch halten uns nicht lange auf. Der Wind wird immer stärker und so treten wir die nächsten 20 km bis Olderfjord an. Dort treffen wir auf einen leider geschlossenen Laden. Morgen ist Sonntag. Doch ich habe noch Nüsse und ein paar Kekse sowie ein paar Zimtschneckchen… Das muss reichen

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Zum Abend hin erreichen wir dann denn gewaltigen Porsangenfjord…der Wind wird echt lästig und so beschließen Pascal und ich uns auf einer wunderschönen Anhöhe links der Straße niederzulassen. Es kostet uns etwas Mühe die beladenen Räder die zwei Hügel hochzuschieben doch wir werden belohnt mit einem so friedlichen Platz in einem lichten Krüppelbirkenwäldchen durch dass sich mehrere Trinkwasserbächlein winden deren beruhigendes Rauschen uns recht schnell in den Schlaf führt.

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Am Sonntag sind Pascal und ich früh um 9:30 startklar. Der Blick auf den Fjord zeigt keine Schaumkämme mehr. Also Landgewinnen. Ich fahre die nur 3 Monate im Jahr geöffnete E69 nun bereits zum dritten mal und muss echt sagen dass ich mich heimisch fühle. Ich erinnere mich an die Dörfer und die Blicke auf den Fjord. Wir machen viele Pausen. Wir habens nicht eilig. Vielmehr genießen wir die Zeit die wir haben.

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Gegen Nachmittag erreichen wir dann den knapp 7km langen unterseeischen Nordkapptunnel. Wir essen nochmal, trinken, usw… plötzlich kommt ein Bus neben uns zum Stoppen und eine Horde rüstiger, beigegekleideter Souvenirjäger quillt aus dem motorisierten Gefährt. Mit Kameras beladen stürzt die Masse auf ein Schild. “Nordkapptunnel 6890 m” steht drauf. Pascal und ich beschließen spontan aus Island bzw Polen zu kommen und nur englisch zu sprechen. Wir haben das Thema lange analysiert und finden es immer recht albern wenn uns aus Bussen gewunken wird so nach dem Motto:” guck mal ein verrückter Fahrradfahrer in freier Wildbahn ” … Wir sind doch nicht im Zoo oder? Schließlich fragen wir uns was hier mehr Freakshow ist, die oder wir. Also ich hab mich entschieden. Ich will ehrlich und fair sein. Und Pascal hat es trefflich formuliert…:” also wir kommen an einem anderen Nordkapp an als sie. Das stimmt!!!
Der Bus fährt schließlich ab und wir danach dann auch. Wir rasen mit 50-60 km/h die ersten drei Kilometer des Tunnels runter wissend dass wir alles wieder hoch müssen. Am Ende sind wir beide total verschwitzt aber am anderen Ende angelangt. Weitergehts nach Honningsvåg. Dort angekommen trenne ich mich vorerst von Pascal. Er geht ins Hostel zum Duschen und Wäsche waschen. Ich hingegen mache in Honningsvåg einen prallen Einkauf und mache ich auf den Weg zu den letzen 33 km zum Kap. Die haben es nochmal gewaltig in sich. Die Straße schraubt sich gnadenlos in Serpentinen in Felsplateaus hoch. Doch mittlerweile sehe ich das recht nüchtern und fahre die Strecke entspannt. Zwischendurch schiebe ich immer wieder Schokolade rein…das hilft am besten und schnellsten. Traumhafte Ausblicke ins Nordmeer.
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…doch mehr und mehr scheint mich eine Wolke schlucken zu wollen sodass ich schließlich gefühlte 7 km vorm Kapp in einer dichten Nebelwand zu verschwinden drohe.
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Ich erreiche die Nordkapphalle schließlich Sonntagabend um 22:30… es stürmt aus Ost… es sind etwa 5 grad und dicke Nebelschwaden donnern von Ost her über mich hinweg. Am Terminalhäuschen werde ich das dritte mal kostenlos mit einem Lächeln durchgewunken während der einzelne Erwachsene 35€ als Eintritt zahlt. Sport lohnt sich also!!! Drinnen setze ich mich ans dem Nordmeer zugewandte Fenster, da klopft mir ein Motorradfahrer auf die Schulter..:”congratulations!!!”…er ist 24 und kommt aus Berlin…ja heyyy.. wie heimisch es miteinmal ist…der Berliner Dialekt ist einfach super. Wir reden ne ganze Weile und beschließen dann gegen 1:00 nachts als das Nordkappzentrum zu macht unsere Zelte draußen in der Wolke aufzubauen.
…dies gestaltet sich als äußerst schwierig. Ich habe keine Chance die Heringe in den Steinboden zu stecken. Kurzerhand bietet mir der Berliner dessen Name ich schonwieder vergessen habe an ich könne in seinem 2Mann Zelt pennen. Ja super!!! Gesagt getan. Er kocht Reis mit Tomatensoße und ich steuere ein Stück Lachs und Pesto dazu und so sitzen wir gemütlich im Zelt während der Sturm das Zelt ordentlich quält. Ein paar Skulpturen dienen uns übrigens als perfekter Windschutz. Morgens dann die Härteee…ein Tourist mit umgehängter Kamera nach dem anderen erscheint. Sie zeigen sich nicht sonderlich erfreut über unsere Zeltplatzwahl. Mit einer Arschruhe bauen wir unser Lager ab.
Und ich schwöre… wäre nur einer gekommen und hätte sich direkt bei uns beschwert darüber dass wir unser Zelt an den Skulpturen errichtet haben, ich hätte dieser Person einen Vortrag gehalten dass sie kein Ton mehr gesagt hätte und auf der Stelle umgedreht wäre. Man wird selbstbewusster hier oben.
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Zitat des euroblast Organisators bevor er Meshuggah 2013 ankündigt…”…if you have the dedication, and if you have the strength in your heart to go through this, you can be the person achieving your dreams…”
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One thought on “20.Juli Nordkapp

  1. Beeindruckender Reisebericht zum Nordkap. Da bekommt man glatt wieder Lust, sich aufs Rad zu schwingen für die nächste Tour.
    Cheers, Andy

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