…entlang der Wolga

Am Dienstagmorgen essen wir noch mit Ilya Frühstück bevor der Startschuß fällt. Es ist heiß und wie üblich können wir unsere optimistischen Vorsätze hinsichtlich einer zeitigen Abfahrt nicht realisieren. Der kurze Zeiger nähert sich der zehn ehe wir zu Potte kommen und folglich ist’s vor Ilyas Haus schon gemütlich schwül. Die Suppe läuft ohne dass ich mich bewege. So richtig cool finden wir das beide nicht aber so richtig was ändern könnten wir bisher auch nicht.

 

Wieder er geht es auf die M5 die ich schon von Weitem an den fetten Brummis erkenne. Irgendwie ermüdend dieser Anblick. Kaum dass wir unsere Asphalttrasse erreichen zieht ein LKW nach dem anderen vorbei und hüllt uns in Abgaswolken ein. Irgendwie reichts langsam mit Verkehr. Ich glaube ich bin reif für die kasachische Steppe. Naja irgendwie läufts dann dich wieder….bis etwa 30 km vor Ziguliewsk, wo sich unsere schöne glatte Asphaltstraße in ein welliges, kaputtes, löchriges Stück verkackte Scheißdreckspissstraße verwandelt. Der Seitenstreifen ist plötzlich auch weg sodass ich mir meinen Teil der Fahrbahn mit fetten Trucks teilen muss. Einige schaffen es mich halbwegs nett zu überholen während andere bereits 25 Meter hinter mir hupen und ich nehme an dass das ein Signal ist welches mir sagen soll: “Junge, entweder du verpisst dich von der Straße oder du kannst dich gleich als Muß vom Asphalt wegwischen. Was soll ich sagen, ich weiche dann natürlich auf den schottrigen Seitenstreifen aus auf dem mir dann gefühlt das ganze Rad um die Ohren fliegt. Russland, du bist ein harter Kanten Brot!

Irgendwann sehen wir dann endlich die Plattenbauskyline von Tolgyatti und sind damit kurz vor unserem Etappenziel Ziguliewsk wo uns unsere Gastgeberin Alexandra bereits mit einer deftigen Suppe erwartet. Alexandra wohnt hier mit ihrer sympathischen und entgegen meiner Erwartungen absolut liebenswerten Pitbullhündin und ihrem Freund.

Abends geht’s noch auf ein Bier an die Wolga. Alex erzählt uns von bis zu 2meter langen giftigen Vipern die es hier im Unterholz geben soll. Puhh….genau mein Fall. Fehlen nur noch die Wolfsspinnen, die gibts dann ab Kasachstan. Ganz großes Kino!

Alex hat ein schönes Picknick/Abendbrot vorbereitet mit Tomaten, Gurken, Kräutern und Brot sowie einer selbstgemachten Pastete. Yammmmi!!!

…es ist echt ein schöner Abend! Wir unterhalten uns viel über Psychologie, Philosophie und Musik und siehe da, Alexandra hat einen tollen Musikgeschmack…ich kann kaum glauben dass sie eine meiner geliebten Bands kennt: a perfect circle…echt krass!

Daniel und ich schlafen auf Isomatten in der viel zu warmen Küche. Im Grunde möchte man nur mit Shorts bekleidet in ner schattigen Ecke lungern und bei ner kalten Mate a perfect circle hören 😉 viel zu warm ist es.

Noch am Abend chattet Alex bereits mit unserem nächsten Gastgeber in Samara sowie auch mit Ilya von gestern um für uns die perfekte Strecke nach Samara zu finden. Zur Auswahl stehen 82 km durch einen Nationalpark mit einer fraglichen Fährpassage über die Wolga sowie 75 km langweilige Autobahn. Mir ist auch klar dass die Vernunft und auch das Herz nach dem Nationalpark schreit doch am Ende wird’s die Autobahn da auf der anderen Strecke teilweise unpassierbare Wege einkalkuliert sind und sowohl Daniel als auch ich wollen uns gern diese Blamage ersparen mit unseren Packeseln.

Auf der Autobahn läufts recht gut sodass wir schnell in Samaras Peripherie gelangen. Vor den Toren Samaras hauen wir uns jeder nochmal 500 Gramm Erdbeeren in den Magen, gekauft am Straßenrand….aus “Opas” Garten.  Mit lieben Worten vom Erdbeerverkäufer geht’s weiter in Samaras Zentrum hinein, eine südrussische Stadt die mir in Erinnerung schwebt seit der australische “Ghost-Note /Planet x” Drummer Virgil Donati hier mal ein Konzert gegeben hat.

imageimageimage

 

Leave a Comment