UNDER DOWN UNDER

~UNDER DOWN UNDER~

…gerade noch in Gesellschaft von Craig, war ich nun bereits, Chris und Judy an meiner Seite, auf dem Weg in deren bescheidenes Heim. Beide sind Ende 50, die Kinder sind aus dem Haus, und so darf ich im ex-Kinderzimmer des Sohnes pennen. Meine Gastgeber hatten bereits zu Abend gegessen, doch für mich stand ein prächtiger Teller gefüllt mit gebraten Süßkartoffeln, Zwiebelfett, Rucola und Schinken bereit. Dazu bot mir Chris n kühles Bier an und der Zettel mit dem WLAN Passwort lag auch schon bereit. Das sind warmshower Gastgeber der Premium-klasse!! Man hat die Wahl: zelten, ohne zu duschen ins Zelt, giftige Schlangen und Spinnen hier und da, und morgens den ganzen Ramsch wieder zusammen packen und weiter…ooooder…man isst fürstlich zu Abend, kann frisch duschen und in nem Bett pennen. Schwierige Wahl, sehr schwierig.
Noch beim Abendbrot bat mir Judy an doch hier einen Tag zu verweilen, sie würde mir die Stadt zeigen. Und so bekam ich eine deluxe Touristenführung durch Australiens Hauptstadt Canberra gratis dazu.
Am folgenden Tag ging’s auf zunächst schönen Radwegen raus aus der Stadt, doch dann kam schon der Highway mit seinen rücksichtslosen motorisierten Nutzern. Durch wellige, schöne Landschaft schob ich meinen Drahtesel gegen den Wind um gegen Mittag für 3 Stunden an einem sehr netten Straßencafé zu pausieren. Mittlerweile kann ich das Trinkwasser wieder problemlos an kleinen Läden oder Gaststätten auffüllen lassen und muss nicht andauernd neue Flaschen kaufen. Die “australische” Sonne ist während der Mittags- und Nachmittagszeit sehr aggressiv sodass ich guten Gewissens von 12-15 Uhr im Schatten sitz. Hier und da quatschen mich die Leute an, ist doch nett, warum nicht auch auf der Straße so?!
Gen Abend ließ ich mich auf nem kostenlosen Camp neben der Straße nieder. Schön wars. Sehr friedlich.
Weiter ging’s über Cooma nach Jindabyne, wo ich Bruce traf. Bruce ist ein kerniger Typ, durch und durch. Er und seine Frau sind letztes Jahr mit Rad um Australien herum gefahren, 22.500 km…die beiden sind Ende 50.
Auch bei Bruce bleib ich für zwei Nächte, ich hab’s einfach nicht mehr eilig. Ich werd immer gemütlicher. Warum hetzen.
Bruce ging morgens zur Arbeit und ließ mir seinen Haustürschlüssel da und somit hatte ich einen paradiesischen Tag vor mir. Zum Feierabend verabredeten wir uns in der Stadt. Bruce ludt mich ein, den höchsten Berg Australiens zu besuchen: Mt. Kosciuszko/2228 m. Wir fuhren ne Weile bis die Straße endete. Von da ging’s 11km weiter mit Fahrrad, und dann noch 15 Minuten zu Fuß…und da waren wir. Es erinnerte mich sehr ans schwedisch/norwegische Fjäll…keine Bäume mehr da oben, Schneefelder, Geröll…
Es war ziemlich zugig dort oben. Wolkenloser Himmel wechselte sich mit finsterer Bewölkung ab. So richtig wohl war mir nicht dabei. Mittags gab es bereits Gewitter. Hier oben könnt ich darauf verzichten. Ich würde meine Qualitäten als menschlicher Blitzableiter als wenig überzeugend einschätzen. Ich erzählte Bruce von meinem Unbehagen…und er hatte eine gute Lösung bereit: “wenn du nicht nass werden möchtest, dann entscheide dich trocken zu bleiben…und glaub es auch!”
Wir blieben trocken.
Bruce’ Frau konnte ich leider nicht kennenlernen da sie gerade auf einem langen Trekkingpfad unterwegs war, und das allein, für 1-2 Wochen. Aber sie hat nen gps-Spot dabei. Na dann.
Morgens ging’s weiter auf dem Alpine-Way nach Thredbo. Das Dörfchen ist DAS Skigebiet in Australien, im Winter natürlich.
Ich lerne Michael kennen. Er wohnt allein, ist um die 50 und arbeitet als Rettungssanitäter auf dem Downhill Trail für die BikeFreaks, und im Winter für die Skitouristen. Er hat ein Zimmer frei, mit fantastischer Aussicht auf die Berge. Traumhaft.
Am Sonntag startete ich dann in einen der anstrengendsten Tage überhaupt. Thredbo—> Khancoban. Bämmmm!!
2300 Meter runter, 1400 hoch. Und das nicht etwa am Stück, nein. Dauernd hoch und runter. Bei der längsten Abfahrt musste ich alle 500 Meter anhalten…die Scheiben haben fast geglüht.
Der Alpine Way schlängelt sich idyllisch durch die Berg- und Talwelt, wenig Verkehr, das war schon was. Es fühlte sich gut an, nach dem stressigen Start an der australischen Ostküste in Sydney. Die Nacht verbrachte ich auf nem Campingplatz in Khancoban, ein echt schöner Platz. Ich hatte gerade mein Zelt aufgestellt als mir jemand ne Portion Pasta anbat. Steve. Steve ist um die 40 und ist mit Familie hier. Er hat vor Jahren mal Island auf dem Rad umrundet und dachte sich, mit der Portion mache er mir ne Freude, und so war es auch. Doch kaum saß ich mit Steve am Tisch rief ein anderer Typ von schräg gegenüber quer übern Platz er hätte noch bisschen Fleisch und Salat übrig. Und ruck zuck hatte ich n vollwertiges Gericht auf dem Teller. Wahnsinn!! Natürlich hatte Steves Freundin dann auch noch n kühles Blondes für mich…wunderbar.
Am Montag ging’s weiter Richtung Albury. Es war ein guter Tag, kaum Verkehr, nicht zu heiß…einer der Tage an denen es nicht viel Mühe kostet einfach immer weiter zu fahren. Es lief einfach gut. Irgendwann späten nachmittags fuhr ich an nem netten Schild vorbei, das auf ein Landhotel verwies. Das versuch ich jetzt, dacht ich mir und fragte ob ich mein Zelt hier hinstellen könne. Es war okay und eine Dusche bekam ich noch dazu…was will ich mehr. Es war perfekt. Mick, der Chef, war ein netter Typ. Lud mich auf ein Bier ein. Seine Eltern wären aus Deutschland erzählte er….er habe also deutsche Wurzeln. Ein bisschen traurig wirkte er, das Hotel liefe nicht gut.
Für den kommenden Tag war Regen angesagt sodass ich mich beeilte um zu Lou und Emmo zu kommen. Die wohnen mit ihren drei Kindern etwas außerhalb Alburys und sind eine weitere Perle unter den vielen tollen Menschen die ich bereits kennengelernt habe. Lou arbeitet im Umweltschutz und was Emmo macht hab ich vergessen zu fragen. Nun, in seiner Freiteit braut er jedenfalls Bier und macht Pasta selbst, und nicht zuletzt arbeitet er im Garten und so komme ich in den Genuss eines 100% regionalen “homemade” Abendbrotes. Selbstgemachte Pasta mit garteineigenen Tomaten, Basilikum und dazu ein hauseigenes Bier. Also mehr geht nicht.
Für den folgenden Tag standen nur 20 km an, und das war auch gut so. Es war affenheiß. Dit Wasser looft…^^
Ich kam bei Tony und Lizzy unter. Viel lief nicht mehr…bisschen gequatscht, Speis und Trank gabs auch. Super.
Tony riet mir von meiner Route für den Folgetag ab und empfahl mir stattdessen den alten Highway zu fahren. Und es war ein Traum, kein Verkehr. Ich hatte die Straße für mich. Und so konnte ich ohne Zwischenfälle nach Benalla fahren. Für Benalla hatte ich mal wieder ein couchsurfing Date organisiert und zwar mit Asha. Asha ist 23 und wohnt mit ihrem Bruder (19) und ihrer Mutti auf dem Lande. Asha ist selbst gerade erst aus den USA heimgekehrt, dort hatte sie n Jahr gelebt. Ihr Bruder Luke ist ein wahrer Gartenprofi. Alles Mögliche Gemüse wächst in seinem Garten. Bienen hat er auch…und Hühner kommen noch. Er möchte unabhängiger vom Supermarkt werden und vor allem macht’s ihm Spaß. Wir aßen gemeinsam Abendbrot und ich muss sagen…die Familie ist unglaublich sympathisch.
Donnerstag, der 12. Januar…das war der große Tag. Ralph und ich hatten uns in Mansfield bei unserem Warmshower Host Mick verabredet. Ralph, mein Zentralasien/Pamir-Reisepartner…ohhhh boy…ich seh mich noch auf dem PamirHighway liegen…oben auf 4300 Metern. Schwindelig, Schwach, Kopfschmerzen, Kotzübel…ohne dich hätte ich alt ausgesehen…ach was hatten wir für ne Zeit boy!
Naja jedenfalls war Ralph in der Zwischenzeit von Perth bis Melbourne gefahren, sozusagen die gesamte Südküste Australiens, Hut ab! Als wir uns trafen dauerte es nichtmal ne Sekunde und es fühlte sich an als wäre es erst vorgestern gewesen, dass wir uns in Bischkek verabschiedet hatten.
Nun, schnell was einkaufen und dann gab es einen satten Pamir Döner…naja fast…es gab Sandwiches und haufenweise Geschichten die es zu erzählen galt.
So verflog der Nachmittag und es wurde Zeit das wir uns mal bei Mick blicken ließen. Mick hat ein schickes Holz/Lehmhaus auf nem kleinen Hügel kurz außerhalb der Stadt und ist Kfz Mechaniker. Viel Kram stand auf dem Hof, unter anderem auch ein kleines Motorboot. Wir lernten Mick von der ersten Minuten als unglaublich gelassenen Typen kennen. Und als wir so abends bei nem Bier am Tisch sitzen meinte er:” ja seid ihr denn schonmal Wasserski gefahren?”. Öhhhmm…neee. “Na dann machen wir das jetzt mal oder?!” Und los…wir fuhren zum See nebenan, Mick ließ sein Speedboot für uns ins Wasser und los ging’s. Der Mann weiß wie es sich lebt. Und bei nem weiteren Bier bretterten wir drei bei Sonnenuntergang über den See.
Zurück in Mansfield kochte Mick für uns. Kartoffel/Kürbis Pürree und jeder zwei Lammkoteletts. Yammi.
Für den nächsten Tag hofften Ralph und ich dass Mick damit einverstanden wäre uns hier noch nen Tag zu beherbergen. Wir wollten gerne den Mount Buller besuchen. Mick fands ok und so hatten wir einen Ruhetag vor uns. Am Freitag nach dem Frühstück wollte Mick grad zur Arbeit als er uns noch zurief:” Jungs, ihr könnt das Auto nehmen. Schlüssel steckt!” Tja und so kamen wir beide mal wieder in den Genuss ein Auto statt ein Fahrrad zu fahren.
Eigentlich wollten wir auch noch pumpen gehen aber irgendwie wurde das denn doch nichts und wir beschlossen lieber die Zeit anders zu nutzen und für Mick und uns zu kochen. Ein Abschiedsessen. Man war das eine tolle Zeit!!!
Am nächsten Tag mussten dann auch Ralph und ich uns voneinander verabschieden, wieder mal. Boy, du fehlst!
Ich fuhr über yea weiter bis Tallarook und leistete mir von dort einen Zug ins Stadtzentrum Melbournes. Über Warmshowers lernte ich den Tobi kennen der mit seiner Freundin Mariam hier lebt. Tobi ist auch n wahrer Weltbürger….hat in Kanada gelebt, in der Schweiz gelebt…und jetzt in Australien. Wir gingen mehrere Abende auf ein Bier los und ick muss sagen….Tobi…du bist n dufter Typ Alter…ick vermiss dir man. Machs juuut!! Der Tobi kommt nämlich uch ausm Osten….
Zwei weitere Nächte zeltete ich im Garten einer WG von drei FahreadFreaks….Todd hat nämlich auch n Warmshowers Profil und ich war sein erster Gast. Er ist BikeMechaniker und seine zwei Mitbewohner Fahrradkuriere…voll die Hipster…Schnauzbart, Riesen Tunnel im Ohr….Tattoos…vernünftige Leute..
Die letzte Nacht schließlich gönnte ich mir mal ein Backpackers-Hostel jooo und jetzt sitze ich auf der Fähre nach Tasmanien und hier schaukelts ordentlich…

4 thoughts on “UNDER DOWN UNDER

  1. Feine Sache! Respekt dass du dienen Reiseblog immernoch so ausführlich schreibst! Sollte ich mir mal ein Beispiel dran nehmen 🙂
    Grüße aus Korea

  2. Feine Sache! Respekt dass du dienen Reiseblog immernoch so ausführlich schreibst! Sollte ich mir mal ein Beispiel dran nehmen 🙂
    Grüße aus Korea

  3. Hallo Oscar. Alles Gute zum Geburtstag , Gesundheit und weiterhin tolle Erlebnisse auf deiner Reise.
    Viele Grüße senden dir Hauke und Manu aus Neubrandenburg

    • Hallo Manu! Vielen Dank für die Glückwünsche! Es ist schon ne Weile her doch ich schätze es sehr dass du dran gedacht hast. Sehr sehr lieb 🙂

      Ich hoffe es läuft mit dem Sport bei Hauke und dir?! 🙂

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